Genre: Drama
Autor : Cindy
(me)
Erstellt am 19.01.2011
Alt und Einsam…
Ich nahm auf einer morschen & maroden Bank im Park platz. Ein alter Mann saß neben mir, gebeugt und auf seinen Stock gestützt. Er schien genau wie ich, tief in Gedanken versunken. Sein Gesicht war ein Meer aus Falten. Seine müden Augen blickten gedankenverloren in die Leere.
Ich wollte gehen - doch hatte ich keine Kraft, war zu besorgt um auf zu stehen. Ich blickte in seinen Nachtschwarzen Augen, und erkannte meine damals verlorene Seele in ihm wieder.
Er versuchte mit seinen Lippen, Worte zu formen, doch er schaffte es nicht und stieß leise ein genuscheltes Wort aus. »Vergangenheit«
Endloses Schweigen brach über uns herein. Wir kannten uns doch eigentlich gar nicht und doch war mir der alte Mann sehr vertraut, als wäre er ein jahrelang guter Freund von mir. Doch das war er nicht. Er versuchte auf zu stehen, doch er fiel kraftlos & erschöpft in die Bank zurück…
Es wirbelte ein schwacher Wind um uns und verwehte viele Herbstblätter von den Bäumen auf den verlassenen Park herab. Es war ein wunderschöner, bunter Blätterregen tanz, welcher sich vor unseren wachsamen Augen abspielte.
Der alte Mann räusperte sich und er erzählte mir aus seinem Leben. Eine Rückblende von Leid, Krieg, Liebe und Momenten voller Glück – all das würde er nie vergessen, denn genau das prägte ihm. Er sagte mir, wie sehr er seine Frau vermisst und nur noch wartete, endlich wieder bei ihr sein zu dürfen. Sie hatten es nicht leicht und trotzdem war es für ihn die allerschönste Zeit, als beide noch glücklich miteinander vereint waren.
Die ersten Tränen rollten aus seinen Augen und suchten sich einen Weg über die Wangen. Seine Lippen bebten beim Sprechen, die letzten Dämme brachen und sein Weinen wurde hemmungslos.
»Ich sah vor meinen Augen, unzählig und überall viel Blut. Ich hörte hilflose Schreie, neben mir explodierte es ständig. Vor mir, hinter mir – egal wo ich hinsah. Ich sah mit an, wie meine Freunde starben – einer nach dem anderen und ich konnte keinem einzigen helfen«, schluchzte er und war völlig aufgelöst.
Die Hektik unserer Tage, die Langsamkeit des Alters und seine tiefgründige Einsamkeit, welche den alten Mann schon lange verfolgte - war ihm mit der Zeit zu viel geworden. Er ist vom Leben müde, möchte seine Augen schließen und endlich die letzte Ruhe, bei seiner Liebsten finden. Ich kann ihn gut verstehen - aber dennoch kann ich die Last nicht von ihm nehmen.
Ich stell mir stumm und traurig diese eine Frage, »Wie werden meine letzten Jahre sein?«
Die Zeit verrinnt, sie holt dich ein und am Ende bist Du ganz allein.
Der einzige Halt der Dir noch bleibt, ist von der Vergangenheit zu träumen…
Würdet ihr töten um euer Leben zu retten?
Ist es nicht seltsam, dass das Gegenteil von Liebe - die Gleichgültigkeit ist und das Gegenteil von Gleichgültigkeit, aber auch der Hass sein kann?
Ist es nicht seltsam, das wir ein Leben lang das Glück in der liebe suchen, anstatt das Leben zu lieben und darin unser glück zu finden?
Und ist es nicht seltsam, das alles gegeben zu haben - immer noch zu wenig sein kann und nichts zu bekommen, einen irgendwann zu viel wird?
Wusstet ihr, das all meine fragen eigentlich schon antworten sind?
Das Leben ist wie eine Schatztruhe - ganz tief versunken auf dem Meeresgrund, denn niemand wird jemals, alles über einen wissen können! Gemein aber so ist der Lauf der Dinge. Daher entstehen auch Vermutungen, Beschuldigungen, Behauptungen und noch viel schlimmer, man spürt Schmerz - Schmerzen, die man Menschen damit antun kann.
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